Gemeinsam Barrieren abbauen: Der 1. März ist internationaler Anti-Diskriminierungs-Tag

28.02.2024 |

 
 
Dieser Tag soll an die Menschenrechte erinnern, dass jeder Mensch ungeachtet des Geschlechts, der Hautfarbe, der Behinderung usw. ein Recht auf ein Leben in Würde hat. Dem entgegen stehen verschiedene Diskriminierungsformen: Den Begriff „Rassismus“ haben alle schon einmal gehört. Aber wie steht es um Ableismus? Der Begriff kommt aus dem Englischen „to be able“ = fähig sein. Im Zentrum des Ableismus steht die „Bewertung von Menschen und deren Körpern nach Leistungsfähigkeit“ (Andrea Schöne: Behinderung und Ableismus, Münster 2023, 9), es wird festgelegt wer oder welche Verhaltensweisen als „normal“ oder „abweichend“ gelten.  Ausgegrenzt werden v.a. Menschen mit Behinderung oder chronischen Krankheiten. Ableismus ist tief in unseren kulturellen Vorstellungen und Normen, unseren Sichtweisen auf Menschen mit Behinderung und bis hinein in unsere staatlichen Gesetzgebung verankert. Aufgrund der tiefen Verankerung des Ableismus in unserer Gesellschaft sind wir alle ableistisch sozialisiert und jede:r hat schon einmal ableistische Aussagen gemacht oder ableistisch gehandelt. Ableismus muss daher erkannt und aktiv verlernt werden. 
 
Zu ableistischen Aussagen zählt beispielsweise der Ausdruck „xy (Person) leidet unter z (Behinderung)“ Dieser Ausdruck ist deshalb problematisch, weil er suggeriert, dass die Person tatsächlich unter der Beeinträchtigung leidet. Dies ist für viele Menschen mit Behinderung keine Realität, die Beeinträchtigung ist Teil der Identität, die nicht mehr von ihrem So-Sein getrennt werden kann. Anstrengend an der Behinderung sind in erster Linie die gesellschaftlichen Reaktionen und Barrieren. Ein besserer Ausdruck ist „xy lebt mit z“. 
 
Ein Beispiel für Ableismus im kirchlichen Kontext ist z.B. eine Auslegung von Heilungsgeschichten in denen blinde, taube und gelähmte Menschen geheilt werden und in der Heilung als Bedingung für „Heilsein“ gelesen wird. Diese Deutung degradiert Menschen, die keine „Heilung“ erfahren und erklärt diese (implizit) für defizitär. Ein weiteres Beispiel für kirchlichen Ableismus ist das Bild der „helfenden Kirche“, die sich caritativ für („die armen“) Menschen mit Behinderung einsetzt. Diese Sichtweise ist hochproblematisch, da sie Menschen mit Behinderung zu bloßen Hilfeempfänger:innen degradiert, anstatt sie als Akteure im kirchlichen Leben zu sehen. 
 
Die Botschaft des 1. März als „Tag ohne Diskriminierung“ ist damit u.a.: Nur wenn wir das ableistische System und damit diese exkludierende Aussagen gemeinsam hinterfragen und aktiv verlernen, können wir zu einer inklusiven Gesellschaft bzw. Kirche werden! 
 
Literaturtipps:
 
-    Andrea Schöne, Behinderung und Ableismus, Münster 2023.
-    Anne Gersdorff/Karina Sturm. Stoppt Ableismus! Diskriminierung erkennen und abbauen, Hamburg 2024.