Inklusion lernen

Erfahrungsbericht aus der Region Mittlerer Oberrhein - Pforzheim

Ich bin als Referentin neu in der Inklusionsarbeit und das bedeutet zunächst, vor allem Lernende zu sein. Davon erzähle ich hier gerne ein bisschen.

Mein Name ist Katja Dobrocsi und ich arbeite schon über zehn Jahre lang in der Abteilung Erwachsenenpastoral, und zwar in der Frauenarbeit. Diese Tätigkeit ist regional aufgestellt und hat viel mit Vernetzung zu tun – und genau das waren Anknüpfungspunkte, um mit Jahresbeginn 2026 zusätzlich einen kleinen Anteil (25%) Inklusionsarbeit dort anzusiedeln. Seither arbeite ich mich ein und begegne Menschen, die Kirche inklusiver machen. Was habe ich schon von ihnen gelernt?
 
Als erstes einiges über Worte
Ein „Handicap“ ist ein Golfbegriff – während ich dachte, dass es ein weniger stigmatisierendes Wort für Behinderung sei. Aber direkt von Behinderung zu sprechen ist in Ordnung. Erst recht, weil dieses Wort auch ausdrückt, dass Menschen durch Hürden in ihrer Teilhabe behindert werden. Oder ein Mensch sagt „ich bin taublind“ – und macht damit nicht nur eine Angabe über fehlende Sinne, sondern vielleicht auch darüber, dass er oder sie sich einer community zugehörig fühlt, mit eigener Kultur. Oder das für mich ganz neue Wort „Crip Time“ = „Krüppel-Zeit“: mit Behinderung klarzukommen bedeutet, mit Zeit anders umgehen zu müssen. Meine Erinnerung an einen Kreuzbandriss hilft mir, das vielleicht ansatzweise zu verstehen. Es in der Begegnung mit Menschen mit Behinderung mitzudenken, macht einen Unterschied. Und dafür dann so ein selbstironisches, stolzes Wort!
 
Zu lernen gab es auch schon etwas über inklusive Liturgie und Vielfalt – und kirchliche Netzwerke: In meiner Region konnte ich schon zwei inklusive Gottesdienste besuchen, einmal in Bühl und einmal in Pforzheim. Sie waren ganz unterschiedlich: Der eine am Wochenende, in einer großen Kirche, katholisch im Ablauf und der andere ökumenisch, im Gemeindesaal im Kreis, unter der Woche abends. Sehr unterschiedlich und vielfältig schienen mir bei beiden die Wahrnehmungs- und Kommunikationsmöglichkeiten der Anwesenden, und ich empfand es als kunstvoll und ansteckend, über alle Sinne angesprochen zu werden. Bei diesen Gottesdiensten habe ich Menschen wieder getroffen, die ich schon kannte: aus der kfd, aus Gemeindeteams, frühere Dekanatsreferenten, aus dem Ökum. Netzwerk Kirche im Nationalpark, vom Bildungswerk. Manche mit einem eigenen familiären Bezug zu Behinderung, von dem ich bisher nichts wusste, andere einfach in ihrem Ehrenamt. 
Und noch eine letzte Erkenntnis: bei mehreren Gelegenheiten wurde mir klar, wie viele Schnittmengen es gibt zwischen dem, was Menschen mit Behinderung hilft und dem, was alten Menschen hilft. Aber dazu gerne mehr bei anderer Gelegenheit.
 
Sie können sich als Haupt- und Ehrenamtliche*r sowie Interessierte*r, jeweils mit oder ohne Behinderung, an mich wenden. Ich freue mich über jeden Kontakt, unterstütze und vernetze Sie gerne. Sie erreichen mich hier.